Wie schon angekündigt, muss Thorstens kleine Küche heute wieder unter unseren Wacholder-Experimenten leiden. Die Gläser werden grade vorgefrostet, die Kamera hängt am Ladegerät. Unser erster Versuch ist heute, den 46%igen Eversbusch Doppel-Wacholder, sowie den Schinkenhäger in einen Martini einzubinden.
7 cl Eversbusch bzw. Schinkenhäger
1 cl Noilly Prat
abgespritzt mit einer Zitronenzeste
Der Schinkenhäger-Martini kommt durchaus in die Nähe seines Originals. Eine leichte Wacholdernote ist zu vernehmen und durch den Noilly Prat wird seine Zitrusnote leicht verstärkt. Einem erfahrenen Martini-Trinker könnte er allerdings durch seinen zu geringen Alkoholgehalt etwas zu schwach auf der Brust sein. Der Eversbusch hat mal wieder eine viel zu florale Note. Wir einigen uns darauf, dass es diesen Drink in eine sehr eigenwillige Richtung drängt, welche nicht unbedingt zu einem Martini passt.
3 cl Eversbusch bzw. Schinkenhäger
3 cl Noilly Prat
4 dashes Maraschino (bei uns Maraska)
2 dashes Orangenbitter (bei uns TBT)
Unser Schinkenhäger bindet sich sehr gut in die von uns gewählte Martinez-Rezeptur ein. Der Eversbusch muss mal wieder "gezähmt" werden - mit einem Dash Rohrzuckersirup nehmen wir ihm seine erneut aufdringliche florale Note und siehe da: plötzlich ist auch dieser Drink abgerundet und stimmig.
Jens schmeckt er danach sogar besser, als der Schinkenhäger-Martinez.
Dieses war der zweite Streich und der dritte folgt sogleich. Wir schnappen uns eine Singapore Sling Rezeptur aus dem Jahre 1922 aus dem Cocktailbuch "Cocktails and How to Mix Them" von Robert Vermeire (wobei wir natürlich wieder den Gin mit unseren beiden Wacholdern ersetzen) und mixen fleissig weiter.
2 dashes of Angostura Bitters
the juice of half a lemon (3 cl)
1/8 gill of Bénédictine (1,85 cl)
1/8 gill of Dry Cherry Brandy (1,85 cl)
1/2 gill of Gin (7,4 cl)
fill up with cold soda water
Der Schinkenhäger-Sling ist sehr gelungen - es überrascht uns fast schon gar nicht mehr, dass sich der Schinkenhäger - wie schon in allen anderen Versuchen - wieder hervorragend in die Rezeptur einbindet. Die blumige Note des Eversbusch ist diesmal nicht so extrem, aber wie immer trotzdem vorhanden. Da ein Singapore Sling ansich schon recht süßlich ist, kann man diemal nicht mit noch mehr Süße ausgleichen.
Nicht lang gezögert, wir wollen schliesslich was schaffen. Gleich im Anschluss versuchen wir einen Bronx aus dem "Savoy Cocktail Book":
4 cl Eversbusch bzw. Schinkenhäger
2 cl Noilly Prat
2 cl Noilly Prat Rouge
2 cl frischen Orangensaft
Auch hier wieder sehr eindeutig: ein überzeugender Schinkenhäger in dieser Rezeptur. Da der Eversbusch erneut seine viel zu blumige Note überwiegen lässt, entschliessen wir uns, die letzten beiden Versuche ohne ihn durchzuführen.
Nächstes Projekt ist das Rezept eines Pegu Club - wieder aus dem "Savoy Cocktail Book":
6 cl Schinkenhäger
3 cl Curacao (bei uns Cointreau)
1 BL frischer Limettensaft
1 dash Angostura Bitters
1 dash Orange Bitters (bei uns TBT)
Auch hier beweist der Schinkenhäger wieder seine Qualitäten. Es macht fast schon keinen Spass mehr, immer wieder dasselbe schreiben zu müssen, aber schon wieder läuft ein in sich stimmiger Drink über unsere Geschmacksknospen.
Letzter Versuch für dieses Thema ist eine Eigenkreation:
5 cl Schinkenhäger
3 cl Herz Dame
2 cl Rosso Antico
2 dashes Lemon Bitters (TBT)
abgespritzt mit einer Zitronenzeste
Offensichtlich traf Thorsten eine gute Wahl. Der Schinkenhäger verträgt sich sehr gut mit den beerigen, leicht erdigen Noten der Herz Dame, welche wiederum durch die leichte Weinsüße des Rosso Antico ausgeglichen werden. Die leichte Zitronennote des Lemon Bitters und der Zitronenzeste unterstützen den Geschmack des Schinkenhägers und runden das Ganze ab. Fehlt nur noch ein Name - wir nennen ihn auf die Schnelle "Lady Schinkenhäger", :-) und dabei stellen wir fest, des es in unserer amrerikanisierten Zeit gar nicht so einfach ist, einen deutschen Namen für einen Cocktail zu finden.
Unser Fazit:
Der Schinkenhäger schlug sich in fast allen Versuchen ausgezeichnet und muss sich keineswegs hinter einem Gin verstecken. Seine einzigen Mankos erwies er im Gimlet und im Martini, wobei es da sehr wahrscheinlich an seinem geringen Alkoholgehalt liegt. Der Eversbusch dagegen benötigte bei fast allen Versuchen etwas mehr Süße, um seine zu dominante blumige Note unter Kontrolle zu bringen. Bei Drinks, die nur aus zwei Komponenten bestehen, ist der Eversbusch mit seiner Geschmacksnote einfach zu aufdringlich. Unsere neue Aufgabe wird also darin bestehen, einen anderen höher prozentigen Wacholderbrand zu finden, der sich dann ähnlich gut einbinden lässt, wie unser Schinkenhäger. Sobald wir ihn gefunden haben, lassen wir es Euch natürlich schnellstens wissen.
Ein lokales Wacholder-Produkt kann sich also gegenüber seinen Mitbewerbern aus dem internationalen Markt bestens behaupten, solang es um die "niederprozentigen" Produkte geht.
Damit hätten wir voerst das Thema Wacholder abgehandelt und sind von den positiven Ergebnissen überrascht und beeindruckt. Wir hoffen, Euch hat das Lesen und eventuell das Nachmixen genauso viel Spass gemacht, wie uns.
Unser nächstes Thema werden dann die Obstbrände sein. In diesem Sinne sagen wieder einmal "Prost" - Euer Thorsten & Jens
P.S.:
Ein Schinkenhäger kostet übrigens im Supermarkt gerade mal um die 8,- Euro! Also keine große Summe, um selbst zu experimentieren... ;-)

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